Napoleon Series Discussion Forum

Austrian Regimental Histories about Austerlitz

As I did some work on Austerlitz recently, I had collected some texts from the informative Austrian regimental histories. Since the work is closing down, I decide to put them on-line (of course the Fraktur font and OCR may lead to some typos, which I must apologize in advance).

Part 1:

IR 1, 6th Battalion (Major Baron Lesch):

Aus der Depôtdivision war im October ein 6. Bataillon errichtet worden, welches zumeist aus Halbinvaliden und Recruten bestehend, 6-700 Mann stark, unter Commando des Major Baron Lesch am 31. October zur Brigade Generalmajor Jurczek (in Wien) einrückte.
Nach Abmarsch dieses Bataillons formirte man eine Reservedivision, welche 120-300 Recruten zählend, nach Jendrzichow in Westgalizien verlegt wurde.
Am Inn war mittlerweile Kutusow mit 30.000 Russen angelangt und hatte das daselbst gestandene Kienmayer'sche Corps aufgenommen.
Die französische Armee, welche in Deutschland keinen Feind mehr fand, von dem in Tirol stehenden, blos 13.000 Mann starken Corps des Erzherzog Johann nichts zu befürchten hatte, folgte den sich zurückziehenden österreichischen und russischen Truppen auf dem Fuße nach. Bei Mautern gingen die Russen auf das linke Donau-Ufer und wurde ihnen von Linz her eine Division unter Marschall Mortier nachgeschickt; der zwei weitere Divisionen folgen sollten. Kutusow fiel bei Dürrenstein über die ihn verfolgende Division Gazan her, und nur der langsamen Ausführung der von Kutusow gegebenen sehr richtigen Dispositionen, verdankten es die Franzosen, daß sie trotz der fünffachen Uebermacht der Russen blos 3000 Mann verloren.
Von Mautern aus ging auch Feldmarschall-Lieutenant Meerveldt mit 10.000 Mann gegen Mariazell, wurde jedoch von dort verdrängt, und erreichte mit 5000 Mann schließlich Preßburg, von wo er nach Mähren marschirend, in den letzten Tagen des November zur Hauptarmee stieß.
Kienmayer ging auf Wien zurück, um sich mit dem circa 13.000 Mann starken Reserve-Corps, welches zumeist aus 6. Bataillonen bestand, zu vereinigen.
Durch List, bemächtigte sich Murat am 13. November der Donaubrücke, welche ihm vom Feldmarschall-Lieutenant Graf Auersperg übergeben wurde. Kienmayer und Kollowrat traten nun den Rückzug nach Mähren an und stießen am 17. bei Pohrlitz zu Kutusow, und am 18. mit diesem zur Hauptarmee.
Letztere ging nach Olmütz und Olschan zurück, um den aus Rußland anmarschirenden Verstärkungen näher zu sein. Am 24. war Großfürst Constantin mit den Garden eingetroffen, wodurch sich die Armee aus 75.000 Mann verstärkte , denen Napoleon, der Brünn besetzt hatte, blos 65.000 Mann entgegenstellen konnte.
Obwohl die Verbündeten außer Verpflegsschwierigkeiten, keine Ursache hatten, eine Schlacht herbeizuführen, da Preußen an Frankreich den Krieg erklären wollte, Erzherzog Carl aus Italien mit 40.000 Mann im Anmarsch war, so wurde dennoch auf Veranlaffung der Russen der Angriff befchloffen, und rechnete man in der feften Ueberzeugung, Napoleon zu schlagen, auf die kraftige Mitwirkung des Erzherzogs Ferdinand, der beim eventuellen Rückzug den Franzosen von Budweis her in die Flanke fallen konnte.
Am 28. November wurde der Vormarfch angetreten, beide Kaifer, Franz und Alexander I. waren anwefend, und am Abend des 1. December ftanden fich die Armeen nur durch den sumpfigen Goldbach getrennt, gegenüber.
Das Terrain, auf welchem die Schlacht geschlagen wurde, ist ziemlich offenes Hügelland. Nördlich der von Brunn nach Aufterlitz führenden Chaussée, treten dicht bewaldete Höhen bis an felbe, füdlich der Chaussée verslachen sie sich, sind dann offen und waldfrei. Ein von den bewaldeten Höhen abfließender Bach, der Goldbach, kreuzt die Chaussée beinahe rechtwinklig, an diesem liegen mehrere Ortschaften.
Sein linkes Ufer wird von Ausläufern der Höhen gegebildet, welche beim Dorfe Pratzen zwei markirtere Kuppen bilden; von da an verflachen sie sich bis zum Cesawabach, welcher sich bei Tellnitz mit dem Goldbach vereinigt. In dem Thale des Goldbaches waren mehrere (jetzt verfchwundene), damals sest gefrorene Teiche.
Am 2. December wurde die französische Armee in 5 Colonnen angegriffen. Das 6 Bataillon des Regimentes befand sich bei der 4. Colonne, welche Feldmarschall-Lieutenant Kolowrat commandirte; diese war gebildet aus 15 1/2 österreichifchen, dann 12 russischen Bataillonen und 2 Escadronen Dragoner. Die österreichifchen Bataillone waren in die drei Brigaden Jurczek, Rottermund und Wodniansky eingetheilt. Die Brigade Jurczek beftand aus:
1 Bataillon Kaiser Nr. 1 700 Mann
1 Bataillon Czartorysky Nr. 9 600 Mann
1 Bataillon Lindenau Nr. 29 400 Mann
1 Bataillon Württemberg Nr. 40 500 Mann
1 Bataillon Kerpen Nr. 49 700 Mann
1 Bataillon Reuß-Greitz Nr. 55 600 Mann
1 Bataillon Beaulieu Nr. 58 500 Mann
Der Angriffsplan der Verbündeten hatte den Zweck, mit dem linken Flügel den rechten der Franzosen zu umgehen, und diese dann in Flanke und Rücken anzugreifen. Napoleon jedoch durchbrach in gewaltigem concentrischem Stoße die auseinander gezogene feindliche Schlachtlinie, und bemächtigte sich fchon um Mittag des wichtigften Punktes des Schlachtfeldes, der Höhen von Pratzen. Das französische 4. Corps griff hier zuerft an, und stieß nur auf drei russische Bataillone, zu deren Unterftützung Feldmarschall-Lieutenant Kolowrat mit den Brigaden Jurczek und Rottermund herbeieilte. Kolowrat sagt über diefen Kampf in seiner Relation:
„Wenige Erwartungen ruhten auf der Kenntniß der Zusammensetzung dieses Fußvolkes, das aus den beiden Ausmaßen militärischer Untüchtigkeit, nämlich aus Invaliden, und gänzlich ungeübten Neulingen der 6. Bataillone bestand, deren wenige Kräfte überdieß erschöpft, durch die Mühseligkeiten eines Winterfeldzuges, keiner Schnellkraft fähig schienen. Aber die Entschlossenheit und Beharrlichkeit dieser österreichischen Bataillone, denen der gegenwärtig gewesene en chef commandirende russische General Graf Kutosoff nach der Hand selbst, in Anwesenheit russischer und österreichischer Generale den rühmlich verdienten Vorzug vor einigen alliirten Bataillons zugestand, setzten so manche gegründete Besorgniß hinter sich zurück."
„Die Bemühungen der Generale Jurczik und Rottermund, und die, durch den General-Quartiermeister Weirother felbftgeführte Leitung ihrer Bewegungen, übervortheilten den Feind, der mit einer, auf den Rücken der Höhe vor geschobenen russischen Brigade dergeftalt sich umringt sah, daß er durch zwei hervorgefchickte Officiere eine Unterredung antrug, die jedoch im Angefichte alürter Truppen und in der Hitze des Gefechtes nicht angenommen werden konnte, indem sie blos Zeitgewinn bezweckte. Der Angriff wurde daher mit Nachdruck fortgefetzt und der Feind zum Weichen gebracht. Durch, aus Pratzen ihm zugeeilte Verstärkungen, erhielt er jedoch die verlorenen Vortheile bald wieder, wozu hauptsächlich der Umstand beitrug, daß die feindliche Infanterie, der, mit der russischen fehr ähnlichen Kleidung wegen, von unserer Artillerie für diese angesehen wurde."
Die Schlacht endete gegen Abend mit einer vollständigen Niederlage der allirten Armeen, welche fich über Göding nach Ungarn zurückzogen.
Am 4. December sand eine Zusammenkunft des Kaisers Franz mit Napoleon in Nasiedlowitz statt, in Folge deren schon am 6. ein allgemeiner Waffenftillftand abgefchloffen wurde. Am 26. December machte der Friede von Preßburg dem Feldzuge ein Ende.
Das Bataillon des Regimentes zählte nach der Schlacht 251 Mann und war am 7. December zu Ó Tura in Cantonnirung; am 15. Januar 1806 wurde es aufgelöft und in das Regiment eingetheilt.

Geschichte des k. k. Infanterie-Regimentes Kaiser Franz Josef No. 1, p. 343-347.

IR 9, 2nd Battalion, (Hauptmann Graf Orlandini):

In Przemysl war inzwischen anfangs September das 5. Bataillon, 4 Compagnien stark, als Reserve errichtet worden und blieb daselbst in Besatzung, während das 2. Bataillon im Monate October von Ofen nach Wien marschiert war, von wo es sich bei dem Vorrücken Napoleons gegen die Reichshauptstadt mit dem schwachen Armee-Corps des FeldmarschallLieutenants Fürst Auersperg am 12. November zurückzog, nachdem es noch den Tag früher nebst 4 Grenz-Bataillonen zur Beobachtung der Donau oberhalb Wien verwendet worden war.
Das Bataillon hatte seine Eintheilung in der Brigade des Generalmajors Jurczek, Division Feldmarschall-Lieutenant Kolowrat und war 551 Mann stark.
Nach dem Abmarsche von Wien vereinigte sich dieses Corps, welches Feldmarschall-Lieutenant Fürst Liechtenstein übernahm, am 17. November bei Porlitz mit den Russen und zog mm vereint mit diesen gegen Olmütz, um sich dem in forcierten Märschen herbeieilenden Heere Buxhövdens anzuschließen. Die Vereinigung mit der 1. Colonne dieses russischen Heeres erfolgte am 19. in Wischau und am 22. November bezog die alliierte Armee die Stellung bei Olschan nächst Olmütz.
Am 24. November wurde beschlossen, Napoleon in seiner Stellung bei Brünn anzugreifen und am 27. November um 8 Uhr früh verließ das alliierte Heer die Stellung bei Olmütz in 5 Colonnen.
Das 2. Bataillon Fürst Czartoryski befand sich bei der das Oentrum bildenden 3. Colonne, welche unter Commando des Feldmarschall-Lieutenants Graf Kolowrat auf der Hauptstraße marschierte und in gleicher Höhe mit den ersten zwei Colonnen lagerte, deren erste nach Kobelniczek, die zweite nach Ottaslawitz marschiert war.
An der Spitze der 3. Colonne befand sich auch das große Hauptquartier.
Am 28. rückte die 3. Colonne auf der Chaussee über Wischau vor und schloss sich in zwei Treffen hinter die ersten zwei Colonnen bei Nosalowitz.
Am 29. machte das Heer eine Flankenbewegung und demgemäß marschierten die ersten 4 Colonnen um 7 Uhr früh in vier Treffen links ab; die 3. Colonne oder das 3. Treffen über Mels, Rosternitz weit rechts lassend, zwischen Hobitschau und Kutscherau, in die Stellung zwischen Kutscherau, Bochdalitz und Kozlan.
Am 30. um 9 Uhr brach die Armee wie früher in fünf Colonnen auf, von welcher sich die 3. über Deutsch-Malkowitz, Butschowitz links lassend, stets auf der rechten Seite des Thales, welches sich von Butschowitz gegen Hodiegitz erstreckt, bewegte und sich endlich in 2 Treffen hinter der 1. Colonne, zwischen Hodiegitz und Niemczan, aufstellte.
Am 1. December früh marschierte die alliierte Armee nach einer veränderten Colonnen-Eintheilung (die 3. Colonne wurde nunmehr die 4.) neuerdings ab.
Die 4. Colonne ließ Niemczan rechts, gieng über die von Austerlitz nach Ungarn führende Straße und stellte sich hinter der 3. Colonne, welche auf den Höhen rechts vom Dorfe Pratzen Stellung genommen hatte, bei Sbedczow in zwei Treffen auf.
Links vorwärts von ihr, gleichfalls hinter Pratzen, stand die 5. Colonne. Beide feindlichen Armeen waren sich nun unmittelbar gegenüber.
Ein dichter Nebel bedeckte am Morgen des 2. Decembers die Gegend und entzog die feindlichen Stellungen gänzlich dem Blicke, obgleich beide Armeen nur auf Kanonenschussweite von einander entfernt waren und nun ihren offensiven Vormarsch beiderseitig begannen.
Die 4. Colonne, bei der sich bekanntlich das 2. Bataillon des Regimentes befand, bildete die Mitte der Schlachtlinie. Bei derselben befand sich auch der Kaiser Alexander von Russland und der Oberfeldherr Kutusow.
Sie brach, um den ersten 3 Colonnen Zeit zur Erreichung ihrer Stellungen zu lassen, um halb 8 Uhr morgens auf, während die vor ihr stehende 3. Colonne gegen Schloss Sokolnitz links und die 5. Colonne rechts gegen Blasowitz abrückten.
Ihre Bestimmung war, über Pratzen gegen Pontowitz vorzurücken.
An ihrer Spitze marschierte die russische Infanterie, dann die 2 österreichischen Infanterie-Brigaden'Jurczek und Rottermund. 2 russische Bataillone und 2 Escadronen Erzherzog Johann Dragoner bildeten die Avantgarde.
Kaum hatte die Spitze der Colonne die Höhen rechts von Pratzen erreicht, welche die Arrieregarde der 3. Colonne eben verlassen, als man schon das Heranrücken zweier feindlicher Colonnen jenseits Pratzen bemerkte. Die Avantgarde beschleunigte demnach ihren Marsch durch das Dorf, gewann die Brücke jenseits desselben noch vor den feindlichen Tirailleurs, überschritt dieselbe und besetzte nebst dem Dorfe auch die auf einer jenseitigen Anhöhe gelegene Kirche.
Sich der Höhen links von Pratzen um jeden Preis zu versichern, war nun der Vorsatz Kutusow s. Er ließ sonach die Colonne eben links schwenken, als er rechts von Pratzen einer dritten feindlichen Colonne, der Division Drouet vom Corps Bernadotte, in der Vorrückung gegen die rechts vom Dorfe liegenden Höhen begriffen, ansichtig wurde. Während sich nun die russische Infanterie entwickelte, um dieser letztern die Stirne zu bieten, hatte schon der Feind die Höhen links von Pratzen erstiegen und das Dorf genommen.
Da befahl Kutusow den österreichischen Brigaden Jurczek und Rottermund, die Höhen zu nehmen, von welchen die Franzosen eben die russischen Bataillone der Vorhut geworfen hatten; denn hier lag die Entscheidung der Schlacht.
Wenige Erwartungen ruhten auf diesen meist aus Invaliden oder Recruten zusammengesetzten Bataillonen, die noch dazu durch die in strenger Kälte vorangegangenen Märsche erschöpft waren; aber sie ließen durch ihre Tapferkeit und Entschlossenheit alle Besorgnisse hinter sich.
Mit einer der besten Truppen würdigen Bravour erfolgte der Angriff. Der Feind ward zurückgeworfen und der Gipfel der Höhe erreicht; eines seiner vordersten Regimenter, umringt, verlangte bereits zu capitulieren, als neue VerStärkungen ankamen und die braven österreichischen Brigaden zum Weichen brachten.
Dreier Divisionen des Marschalls Soult hatte es bedurft, um die Höhen zu erobern. Doch nochmals folgte, selbst gegen diese enorme Übermacht, ein Versuch, die verlorene Position wieder zu gewinnen.
Mit unvergleichlichem Muthe und wahrer Todesverachtung stürzten sich die zwei genannten Brigaden und die russische Brigade Kamenskoi auf den Feind und erstiegen neuerdings die Höhen; doch jetzt wurden die Stürmenden auf kurze Entfernung mit einem mörderischen Feuer empfangen, welches ganze Reihen niederstreckte. Die Truppen schlugen sich mit ausgezeichneter Tapferkeit, der Brigadier Generalmajor Jurczek wurde schwer verwundet, dem Bataillons-Commandanten Hauptmann Graf Orlandini das Pferd unter dem Leibe erschossen; — doch aller Heldenmuth war vergebens, denn die Colonne blieb ohne alle Unterstützung, während der Feind immer neue Verstärkungen gegen diesen wichtigen Punkt dirigierte, so dass sie endlich der Übermacht erlag und die Höhen verloren giengen.
Indessen hatte der General Miloradovich mit der russischen Infanterie der 4. Colonne gegen die feindliche Division Drouet rechts von Pratzen Stand gehalten; nun musste auch er sich zurückziehen.
Der Rückzug der 4. Colonne erfolgte in Ordnung gegen Wazan und von da in die Stellung bei Hodiegitz.
Der Verlust des 2. Bataillons in dieser Schlacht betrug 42 Tode und 130 Verwundete, die in Feindeshände geriethen. Unter letzteren befand sich auch ein Officier, dessen Name nicht verzeichnet ist.
Über die Leistungen des Bataillons spricht sich der Divisionär Feldmarschall-Lieutenant Graf Kolowrat folgendermaßen aus:
»Ich bestätige zur Steuer der Wahrheit, dass der Herr Grenadier-Hauptmann Graf Delbeccuto Orlandini, als Commandant des Czartoryski'schen 2. Bataillons, den ganzen Zeitraum hindurch, als derselbe unter meinem Commando gestanden hatte, sich bei jeder Gelegenheit, sowohl wegen der bei seinem Bataillone beobachteten guten Ordnung und Mannszucht, als Präcision im Dienste selbst, zu meiner besonderen Zufriedenheit gut betragen hat, vorzüglich aber um desswillen anempfohlen zu werden verdient, weil derselbe bei der am 2. December 1805 bei Austerlitz vorgefallenen Schlacht, seinunterhabtes Bataillon mit all' der guten Ordnung vor den Feind führte, und sich überhaupt in dieser Gelegenheit, — ohngeachtet des ihm, unterm Leibe erschossenen Pferdes — durch seine beispielvolle weiter fortgesetzte Anführung so betragen hat, als es sich nur immer von einem einsichtsvollen und tapfern Anführer erwarten lässt; ferner, weil er seine vorgezeichnete Vorrückimg während der Schlacht so gut zu behaupten wusste, dass derselbe nach einem erlittenen Verlust eines blessierten Officiers, dann 42 Todter und 130 Blessirter als Gefangene vom Feldwebel abwärts, erst dann das Schlachtfeld zu verlassen genöthigt war, als schon der gänzliche Rückzug des ganzen österreichischen Corps d' armee anbefohlen worden war.
Graf Kolowrat m. p. FML.«
Noch in der Nacht zog sich die 4. Colonne, gleich dem ganzen verbündeten Heere, auf der Straße gegen Ungarn zurück und lagerte am 3. December vor Czeitsch, wohin auch das Hauptquartier Ihrer Majestäten der Kaiser von Österreich und Russland verlegt wurde.
In der Nacht vom 3. auf den 4. December marschierte die Armee in das Lager bei Göding und am folgenden Tage kam ein Waffenstillstand zu Stande, während dessen die Armee abends den Marchfluss passierte und ein Lager rechts von Holitsch bezog.
Am 6. December wurde zu Austerlitz der Waffenstillstand bis zum Zustandekommen des Definitiv-Friedens formell abgeschlossen und die Demarcationslinie für beide Armeen festgesetzt, welche am 7. und 8. von den k. k. Truppen besetzt wurde, während die Russen den Rückmarsch in ihre Heimat antraten.
Das in der Brigade Rottermund eingetheilte 2. Bataillon Fürst Czartoryski cantonierte in Verpocz und blieb daselbst bis zum Abschlusse des Friedens, welcher am 27. December zu Pressburg unterzeichnet wurde und dessen Ratificierung am 1. Jänner 1806 zu Wien stattfand.

Geschichte des k. u. k. Infanterie-Regimentes Feldmarschall Carl Joseph Graf Clerfayt de Croix Nr. 9, p. 196-199.

IR 20, 5th (or 6th) Battalion (Major von Breszlern):

Nach Eger eingerückt, erhielten diese Offiziere den Befehl sich mit dem geretteten Kassawagen in ihren Werbbezirk zu begeben. In Troppau kam ihnen die Weisung nach Podgorze zu, wo sich das Regiment neu formirte. Hier fanden sie den Obersten Grafen Murray, der sich nach seiner Verwundung hierher begeben, und den Major Luxem, welcher der Gefangenschaft entgangen war.
Mark kapitulirte am 18. Oktober mit 23.000 Mann, welche am 21. aus der Festung abzogen. Das Korps Kienmayer hatte sich gegen die österreichische Grenze zurückgezogen und wurde von der ersten russischen Armee unter Kutusow bei Braunau aufgenommen; die französische Armee hatte nun in Deutschland keinen Feind mehr vor sich, drang rasch gegen die österreichische Grenze vor, überschritt in den letzten Tagen des Oktobers den Inn und rückte am rechten Donau-Ufer vor. Nach dem am 31. Oktober bei Lambach stattgehabten Treffen wurde Linz und Wels von den Franzosen besetzt, am 4. November die Enns überschritten. Mortier war bei Linz auf das linke Ufer der Donau übergegangen, auch Kutusow, obwohl er am 5. die französische Avantgarde bei Amstetten und Kemmeibach zurückgeschlagen, führte das vereinigte österreichisch-russische Heer bei Krems nach dem linken Ufer. Die französische Hauptmacht rückte jedoch immer am rechten Ufer hinab. Am 11. kam die Avantgarde vor Wien an, in welcher Hauptstadt Napoleon am 13. seinen Einzug hielt. Indess hatte auf dem linken Ufer Mortier am 11. November bei Dürnstein durch die von Kutusow befehligten Oesterreicher und Russen eine Niederlage erlitten. Dann führte dieser General sein Heer nach Mähren zurück.
Die Franzosen hatten bei Wien die Donau überschritten. Die Arrieregarde der Verbündeten unter Fürst Bagration hatte bei Wolkersdorf, Hollabrunn und Guntersdorf heldenmüthig gefochten. Bei Olmütz vereinigte sich Kutusow mit der von Buxhöven befehligten zweiten russischen Armee. Am 24. November kam Grossfürst Konstantin mit den russischen Garden beim Heere an.
Das fünfte Bataillon des Regiments, welches beim Beginn des Feldzuges errichtet wurde, war zu Anfang November mittelst Vorspannswagen über Sternberg gebracht und in das Korps des F.-M.-Lt. Fürsten Johann Lichtenstein eingetheilt worden. Major v. Breszlern kommandirte dieses Bataillon, nachdem Major Schott im November wieder in den Pensionsstand zurückgetreten war. Bei demselben befanden sich: Die Hauptleute Assevedo, Devald, Schildknecht, Schriffer, Oberlieutenants Dierscheid, Berszin, Vorhaus, Vukassovich, Lieutenants Schäfer, Christ, Beinhauer, Azel, Fähnriche Kullisch, Budischek, Hofmeister, Zilly. Als die Russen bei Annäherung der Franzosen Brünn verliessen, folgte das Korps Lichtenstein dieser Bewegung und rückte am 23. November in das Lager bei Olschan.
Am 27. November um 8 Uhr morgens setzte sich die verbündete Armee in 5 Kolonnen in Marsch. Den linken Flügel, 4. Kolonne, 22.400 Mann, 3000 Pferde, befehligte FürstLichtenstein, bei welcher sich das Bataillon in der Brigade General Rottermund befand; diese Kolonne marschirte von Rehweis nach Wrahowitz, Dobrochow, wo sie nach einem 4stündigen Marsche ihre Position nahm und die Kommunikation mit der Kolonne des Centrums herstellte.
Man erfuhr, dass die Avantgarde der Franzosen in Wischau stehe und diesen Tag keine Bewegung gemacht habe. General Bagration erhielt Befehl, selbe den andern Tag mit der Avantgarde anzugreifen. Hiezu setzte er sich mit Anbruch des Tages am 28. November in 3 Kolonnen in Bewegung, während die Armee in derselben Formation wie tagsvorher folgte. Beim Anrücken der Russen verliessen die Franzosen Wischau und Hessen nur eine kleine Besatzung zurück, von welchen die Russen bei Besetzung dieses Ortes 4 Offiziere und 100 Gemeine zu Gefangenen machten. Anfangs verfolgten 4 Eskadronen russischer Huszaren die sich zurückziehenden Franzosen, dann verstärkte dieselben Bagration noch mit der Kavallerie der 4. Kolonne unter General Essen und rückte bis auf die Höhen bei Rausnitz, wo er Posto fasste. Die Franzosen waren noch in Rausnitz und fingen an zu kanoniren, allein die russische Artillerie brachte sie bald zum Schweigen. Abends nahmen zwei russische Bataillone Besitz von Rausnitz und stellten vor diesem Ort die Vorposten aus.
Die 4. Kolonne war an diesem Tage von Dobrochow über Krzizanowitz und Brindlitz auf die Anhöhe von Noska marschirt; die österreichische Infanterie stellte sich hier links von den Russen in zwei Linien auf.
Auf diese Bewegungen der Verbündeten verliessen die Franzosen ihre Kantonirungs-Quartiere. Nach einem von Austerlitz gegebenen Signal vereinigte der Marschall Soult sein Korps daselbst. Am 30. November marschirten die Verbündeten wieder in 5 Kolonnen formirt vorwärts; die 4. Kolonne über Schardiska, Tschertschein nach Herspitz. Am 1. Dezember nach dem Abkochen wurde wieder vorgerückt; die 4. Kolonne, jetzt unter General Kollowrat, 15 Bataillone Oesterreicherund unter General Miloradowitsch, 12 Bataillone Russen marschirten rechts ab, bei Niemschau vorbei, durchschnitten die grosse Strasse von Austerlitz nach Brünn und stellten sich in zwei Linien hinter der 3. Kolonne, welche auf den Anhöhen rechts von Pratzen Stellung genommen hatte.
Der Feind beunruhigte diesen Marsch nicht, sondern zog überall seine Vorposten zurück. Napoleon hielt seine Macht in vereinten Massen beisammen, um die Ereignisse nach Gefallen zu lenken. Marschall Bernadotte, welcher sich am nämlichen Tage mit ihm vereinigt hatte, stand anfangs auf der linken Seite der grossen Landstrasse; in der Nacht aber Hess ihn Napoleon über diese Strasse herüber marschiren und stellte ihn hinter das Dorf Girschikowitz, welches stark besetzt wurde. Dieses Korps formirte das Centrum der Franzosen. Die Kavallerie Murat's stand hinter dem linken Flügel Bernadotte's. Den linken Flügel der Franzosen formirte Lannes und lehnte an jenen Murat's. Der rechte Flügel unter Soult stand zwischen Kobelnitz und Sokolnitz — die Division Legrand, als äusserster rechter Flügel besetzte Sokolnitz und Tellnitz. Die Reserve der Franzosen, 20 Bataillone unter Duroc stand bei Turras. Die Division Friant stand beim Kloster Raygern, um das Korps Merveld zu beobachten, welches von Pressburg in Anmarsche war.
Das Hauptquartier der Verbündeten war zu Krzenowitz. Die 1. Kolonne stand in zwei Linien auf den Anhöhen bei KleinHostieradek, die 2. ebenfalls in zwei Linien auf den Anhöhen von Pratzen rechts neben der 1. Kolonne, die 3. Kolonne rechts auf diesen Höhen, dahinter die 4. Kolonne; die 5. Kolonne unter Lichtenstein, 82 Eskadrons stand unter diesen Anhöhen, hinter der 3. und 4. Kolonne, endlich das Reserve - Korps unter Grossfürst Konstantin über Austerlitz, mit dem linken Flügel gegen Krzenowitz und mit dem rechten gegen die grosse Strasse von Austerlitz nach Brünn. Die Avantgarde stand über Holubitz und Blasowitz hinaus, General Kienmayer mit 22 Eskadronen und 5 Bataillonen Kroaten in Aujezt.
Diess war die Stellung der beiden Armeen in der Nacht vom 1. auf den 2. Dezember, die letzte vor der berühmten DreiKaiser-Schlacht bei Austerlitz. Am 2. Dezember nach Mitternacht erhielten die Generale der Verbündeten die Disposition zum Angriff der Franzosen.
Um 7 Uhr morgens setzte sich die verbündete Armee in Bewegung und verliess die Anhöhen bei Pratzen. Jede der vier Infanterie-Kolonnen konnte vom Feinde beobachtet werden, dem es nicht entging, dass die Richtung ihres Marsches grosse Zwischenräume zwischen denselben verursachte, sowie sich die Spitzen dieser Kolonnen dem Thale bei Tellnitz, Sokolnitz und Kobelnitz näherten. Das Gefecht fing auf dem linken Flügel der Verbündeten an, zweimal erstürmten die Oesterreicher die Höhe bei Tellnitz, zweimal wurden sie von den mit Wuth sich vertheidigenden Franzosen zurückgedrückt, erst beim dritten Sturm gelang es dem General Stutterheim, Meister dieser Höhen zu werden. Nun begann der Kampf um Tellnitz; trotz der ausgezeichnetsten Tapferkeit der Franzosen gelang es den Oesterreichern einzudringen, worauf im Orte ein mörderischer Kampf wüthete, welcher, da die erste Kolonne nicht eintraf, damit endete, dass die braven Truppen dasselbe räumen und sich wieder auf die früher erstürmten Höhen zurückziehen mussten.
Indessen hatte die Sonne den dichten Nebel überwunden, welcher bisher auf der Erde lag und keine Aussicht gestattete, jene «berühmte Sonne von Austerlitz", von der Napoleon später so gern als von seiner Glückssonne zu reden pflegte, um seine Soldaten zu enthusiasmiren.
Später wurden Tellnitz und Sokolnitz, als die 1. Kolonne anrückte, wieder genommen und der Feind zog sich hier zurück.
Nun gab Napoleon an Soult den Befehl die Höhen von Pratzen zu nehmen und die Mitte der Verbündeten zu durchbrechen, dahin richtete er seine ganze Kraft, während die beiden Flügeln die verbündete Armee nur hinhalten sollten. Mit 24.000Mann griff er hier die 12.000 Oesterreicher und Russen der vierten Kolonne an. Kaiser F ranz und Alexander, die Generale Kutusow und Kollowrat waren bei dieser Abtheilung, welche sich nach dem Schlachtplane an die dritte Kolonne im Thalgrunde anreihen sollte. Kutusow zögerte die wichtige Stellung zu verlassen, auch als die ganze dritte Kolonne schon hinab war. Um 9 Uhr rückte die vierte Kolonne auch hinab. Als die Russen das Dorf Pratzen verliessen und den nächsten Abhang hinauf wollten, fanden sie die Kämme der Hügel schon von den Franzosen besetzt. Soult hatte die Divisionen Vandamme und St. Hilaire mit 26 Bataillonen herbeigeführt. Die Russen mussten in das Dorf zurück und hielten dasselbe mit 9 Bataillons, bis Kollowrat die Oesterreicher als zweites Treffen aufgestellt hatte. Sie lösten dann die Russen ab, die sich hinter ihrer Linie neu formirten. Die österreichische Infanterie hielt so tapfer Stand, dass bei einer kräftigen Unterstützung die Schlacht noch gerettet werden konnte. Das Gefecht wurde sehr lebhaft, die Franzosen rückten, ohne zu feuern, vor und gaben erst in der Entfernung von 100 Schritten ihre Dechargen ab, welche dann allgemein und äusserst mörderisch wurden. Der Feind entfaltete nach und nach seine Massen und marschirte rasch nach der Anhöhe, indem er seinen linken Flügel an die Kirche und seinen rechten an den erhabendsten Punkt dieser Anhöhe lehnte. Man machte neue Versuche, den Feind von den Anhöhen zu vertreiben, deren er sich schon bemeistert hatte. Die Russen rückten vor, um ihn in der Flanke zu nehmen, ebenso die österreichischen Brigaden Rottermund und Jurczek. Die ersten österreichischen Bataillone, dabei das fünfte Bataillon des Regiments, welche diesen Angriff formirten, marschirten kaltblütig und unerschrocken gegen den Feind, obgleich die Mannschaft beinahe durchgehends aus Rekruten bestand. Sie fielen auf ein französisches Regiment, welches am ersten bis an den Rand der Anhöhe vorgerückt war und umringten es fast gänzlich. Die Franzosen empfingen die Oesterreicher mit Standhaftigkeit und vertheidigten sich tapfer, wurden aber doch zum Weichen gebracht; allein sie erhielten Verstärkung und gewannen wieder das verlorene Terrain. Zwei russische Regimenter Fanagorisky-Grenadiere und Rhiasky Musketiere eilten zur Verstärkung herbei und stellten das Gefecht wieder her. Die österreichischen Brigaden und die Russen stürmten nun mit dem Bajonnet auf die Franzosen los; allein die Franzosen empfingen sie mit Entschlossenheit und einem wohl unterhaltenen Feuer, welches insbesondere bei den Russen eine grosse Verwüstung anrichtete. Das österreichische Regiment Salzburg schlug sich mit vielem Muthe und man brachte die Franzosen einen Augenblick zum Weichen. Aber von der Wichtigkeit des Postens überzeugt, griffen sie sogleich wieder an und eroberten die Anhöhen. Die vierte Kolonne musste zurück und die Russen verloren dabei den grössten Theil der Artillerie, welche in dem lehmigen Boden stecken blieb. Unterdessen hatten die Franzosen auch ihre Artillerie auf die Höhen gebracht und feuerten damit nachdrücklich auf die retirirenden Verbündeten, welche nach Waschau und dann weiter in die Position bei Hodianitz und Herspitz zurückgingen, wo sich die Bataillone sammelten. Jenes des Regiments war nicht einen Augenblick in Unordnung gekommen, sondern gab am Rückzuge noch Decharge um Decharge ab. Dieses Gefecht auf den Anhöhen bei Pratzen dauerte zwei Stunden. Nachdem die Franzosen das Centrum durchbrochen hatten, war die Schlacht verloren, deren Verlust vorzüglich durch die Trennung der Kolonnen herbeigeführt worden war. Die bei der vierten Kolonne befindlichen Oesterreicher hatten den General Jurczek, 6 Stabs-, 19 Subaltern-Offiziere und 1886 Manntodt und verwundet; 5 Offiziere und 470 Mann wurden gefangen. Das fünfte Bataillon hatte 13 Mann todt, 43 verwundet, 252 gefangen, 2 vermisst.

Geschichte des k. k. Infanterie-Regiments Nr. 20, p. 325-331

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